Ja das ist doch schon etwas länger her. 1926 gab es von mir noch keine Spur, auch meine Eltern waren noch nicht einmal schmutzige Gedanken und von meinen Großeltern lebte gerade mal eine Oma bereits, die damals das zarte Alter von einem Jahr aufwies und sich für das Weltgeschehen, noch nicht so wirklich interessierte. (Das hat sich nicht so wesentlich geändert bei ihr, außer beim ZIB 2 schauen und beim Kronen Zeitung lesen war Großmutter am Weltgeschehen mäßig interessiert – dafür blieb sie aber ein sehr herzlicher freundlicher Mensch, ist vielleicht manchmal besser man lässt den politischen Scheiß, politischen Scheiß sein).
Was also ist vor hundert Jahren geschehen? Da ist zunächst einmal ein politisch sehr brisantes Buch erschienen, dass aufgrund seines politischen Sprengstoffes in China verboten werden musste, es handelt sich dabei um „Winnie the Pooh“. Der politische Sprengstoff dürfte damals schon spürbar gewesen sein, denn es kam gleich in Portugal und in Polen zu massiven Umstürzen. In Polen putschte sich der General Pilsdudski an die Macht. Angefangen hatte der übrigens als Sozialist, aber es ist ja nun seit Mussolini nichts neues mehr dass man von Links nach Rechts ohne Probleme switchen kann. In Portugal endete ebenfalls eine demokratische Republik zugunsten eines autoritär-faschistischen Regime, welches sich später geschickt durch den 2. Weltkrieg lavierte und deshalb bis in die 70er Jahre an der Macht blieb. Apropos Faschismus, der hat in Italien zu diesem Zeitpunkt schon etwa vier Jahre das Ruder in der Hand gehabt. 1926 wurde dann Antonio Gramsci verhaftet und eingekerkert, einer jener Kommunisten, warum ich diese Idee noch nicht völlig begraben habe. Gramsci hatte nämlich die glorreiche Idee, dass es vielleicht sinnvoller ist, auf die Leute zuzugehen und in dem man ihre Sorgen, Freuden und Lebensart ernst nimmt, die Revolution voran zu bringen, statt sie ihnen auf zu drücken. Leider hat das die Linke bis heute nicht ganz begriffen. Den Gramsci verstanden haben dafür die Rechten, also die Nachfahren jener Männer, die ihn damals im Gefängnis verrecken haben lassen. Dass Linke die Intelligenteren sind kann man damit glaub ich auch als Gerücht abtun. Übrigens wurde vor 100 Jahren auch zwei Mal versucht eben jenen Mussolini zu beseitigen, zum einen von Violet Gibson, beim zweiten Mal von Anteo Zamboni. Beide versuchten den Diktator zu erschießen, was aber nur mässig erfolgreich war, beide Male überlebte er, was Gibson in die Anstalt brachte und Zamboni das Leben kostete. Er wurde von Faschisten gelyncht.
In Deutschland dagegen war die Demokratie noch intakt, es sah sogar danach aus, als würde sie sich stabilisieren. SPD und KPD arbeiteten ausnahmsweise mal zusammen und versuchten die Fürsten zu enteignen, deren Besitz ja eigentlich doch nur auf jahrhundertelanges Auspressen der Bevölkerung beruhte, aber sie scheiterten an den bürgerlichen Parteien. Außerdem wurde Deutschland (das damals noch Deutsches Reich hieß, was manch einem heute sehr abgeht) Teil des Völkerbundes, der sich als noch ineffektiver als die heutige UNO erweisen sollte (liegt vielleicht daran, dass es damals noch kein Israel gab und sich der Völkerbund damit nicht auf einen Sündenbock einigen konnte). Die NSDAP war auch noch eine kleine Splittergruppe, in der heftig gestritten wurde, vor 100 Jahren hat dann Hitler unmissverständlich klar gemacht, dass er in der Partei als einziger das Sagen hat. Sein größter Gegner war damals ein gewisser Joseph Goebbels. Als sich die beiden begegneten schwenkte Goebbels von Gegeifer auf hündische Verehrung um. Außerdem wurde 1926 die Hitlerjugend gegründet. Von der Macht waren sie noch 7 Jahre entfernt, aber der Weg dorthin hat vermutlich hier begonnen. Auch in Österreich gab es schon eine NSDAP, die sich vor 100 Jahren in eine unabhängig-österreichische und eine komplett Hitlergesteuerte Partei spaltete. Man darf drei mal raten, welche sich am Ende durchgesetzt hat.
Aber auch eine andere Partei war mit ihrem Program beschäftigt. Die Sozialdemokraten begaben sich nach Linz und beschlossen dort, sich daran zu erinnern, dass sie einst eine revolutionäre Arbeiterpartei gewesen waren. So bekannte man sich zum Marxismus und zur Revolution aber auch zur Demokratie. Dieses Programm, das eigentlich dazu dienen sollte die Radikalen zu besänftigen und führte letztlich dazu, dass der Linke Flügel der Partei sich weiterhin unzufrieden fühlte, während die Bürgerlichen die bolschewistische Revolution befürchteten. Apropos Bolschewiki, die waren ja in Russland bereits seit 9 Jahren an der Macht. Lenin war seit 2 Jahren zwar frisch gehalten durch Einbalsamierung, aber dennoch nicht mehr ganz lebendig und in seiner Partei der Allrussischen Kommunistischen Partei wurde gerade heftig gestritten, denn ein Teil wollte den ukrainischen Intellektuellen Leo Trotzki als Nachfolger, die anderen den georgischen Schuster Josef Stalin. Und wie das so ist bei linken Intellektuellen, sie haben tolle Ideen kommen aber bei der Masse nicht an. Und viele Führungsmitglieder dachten wohl auch, wenn wir uns einen georgischen Schuster holen, was soll der schon groß anrichten in der Partei? So wurde Trotzki vor 100 Jahren aus dem Zentralkomitee der Partei geworfen und ein Jahr später aus der Partei. 10 Jahre später dachten einige Genossen als sie in die Mündungen der NKWD-Offiziere schauten: „Vielleicht hätt ma doch den Ukrainer nehmen sollen.“ Das war aber 1926 wohl noch nicht vorhersehbar.
Dafür wurde im Iran Reza Khan zum Schah gekrönt, was sich später als furchtbar herausstellte, weshalb er 1942 zu Gunsten seines Sohnes gestürzt wurde, der sich bewehrte bis er noch furchtbarer wurde und 1979 durch eine Revolution gestürzt wurde. Und was da an die Macht kam führte dazu, dass sich viele Perser heute beide Rezas in Personalunion zurückwünschen, denn degenerierte Prinzen sind immer noch Gold gegen wahnsinnig gewordene Religionsfanatiker, die keinen Alkohol trinken aber 9jährige heiraten.
Was war noch los? Eine große Surrealistenausstellung und die Uraufführung von Turandot, der letzten Oper von Giacomo Puccini fanden statt. Letzteres ohne Komponist, da selbiger schon seit einem Jahr nicht mehr lebte. Und die Zirkusprinzessin wurde ebenfalls 1926 uraufgeführt, das heißt der Hit des Jahres war dann vermutlich „2 Märchenaugen.“

