Goethe hatte Geburtstag. Am Freitag den 28.8. ist er dieses Jahr wäre er 177 Jahre alt geworden. Das ist dann doch schon ein stattliches Alter. Er selber wurde allerdings schon im zarten Alter von 82 von uns gerissen. Verglichen mit dem Alter, das sein Faust erreicht hat, ist das verdammt jung, allerdings für einen Dichter des 19. Jahrhunderts ist das schon ein recht beachtliches Alter.
Bis dahin schuf er einiges an Werken, Gedichte, Romane, Theaterstücke. Er war aber auch in der bildenden Kunst tätig, betätigte sich als Kunstsammler, Forscher, Wissenschaftler und Politiker. Man denke sich das heute einmal, ein Minister, der den Faust schreibt… oder wenigstens die Leiden des jungen Werther. Die schaffen heute höchstens dass man das tut, was Werther am Ende des Romans tut… man will sich nach einer halben Legislaturperiode erschießen. Ich persönlich hatte mit Goethe so meine durchwachsene Zeit. Früher mochte ich Schiller immer lieber. Und den Werther nehm ich ihm irgendwie übel. Vielleicht hab ich mich in meiner Jugend aber auch etwas zu sehr mit dem depressiven Typen, der sich inbrünstig in die Falsche verliebt und deswegen sterben will, identifiziert. So genau wollte ich glaub ich mich selber nicht kennen lernen. Um so mehr hab ich den Faust geliebt. Und das muss man sagen, an den Faust kommt irgendwie nichts von Schiller heran. Dieses Werk begleitet mich jetzt schon lange und es hat es auch immer wieder in meine Soloprogramme geschafft, ob es Gusenbauer in seinem Studierzimmer war, dem Haider als Erdgeist erschien, oder Gusenbauer, der mit Schüssel einen faustischen Pakt schloss, oder Mephisto, der im Himmel Werbung für Bier macht (übrigens regional angepasst, in Deutschland, Schweiz und Österreich). Ich hoffe Goethe verzeiht mir diese profane Verwendung seiner Literatur. Aber ich glaube Sinn für Humor hatte er, auch wenn seine Versuche lustig zu sein oft sehr… deutsch sind. Ich war jetzt auch schon mehrfach in Weimar und wenn du für Goethe eine weiche Empfindung aufbringst, dort verliebst du dich. Im Anschluss möchte ich ein Gedicht von ihm da lassen, dass mir auch immer viel bedeutet hat, den Prometheus:
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn
Und meine Hütte,
die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus noch ein,
Kehrt ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber war
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir wider
der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle Knabenmorgen
Blütenträume reiften?
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!
