DER RING DES NIBELUNGEN WIRD 150

Am 16.8. 1876 also vor 150 Jahren wurde in Bayreuth die Oper „Siegfried“, die dritte Oper des Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner, uraufgeführt.  Es war die erste Oper die im Zusammenhang mit den anderen 3 Opern auf die Bühne gebracht wurde. Daher kann man am 16.8. den Geburtstag des Ring begehen.

Es ist an der Zeit sich mit einem Epochalwerk der Oper auseinanderzusetzen, immerhin wird dieses ja 150 Jahre alt, wir sprechen von einem Werk, das man entweder innig liebt oder mit Innbrunst hasst, ich habe hier echt noch niemanden erlebt, der sich da irgendwie dazwischen positioniert. (Was geht, ist der Weg meiner Mutter, sie mag die ersten drei Teile und verabscheut den letzten – das geht irgendwie). Man könnte es auch die größte Inszestoper aller Zeiten nennen, schließlich werden hier ständig Tanten oder Schwestern gefreit (das ist Opernsprech für gebumst). Ich glaube es haben nun alle, die es kennen (die anderen haben hier vermutlich bereits sowieso zum Lesen aufgehört) erkannt worum es geht. Ich spreche vom Ring des Nibelungen, Richard Wagners Vierteiler, übrigens der einzige vierteilige Opernzyklus der Operngeschichte. (Gut strenggenommen hat Stockhausen einen 7teiligen Opernzyklus gemacht, aber der ist sogar mir etwas zu fortgeschritten). Ja da löst man entweder Fanstürme oder Brechreiz aus. Man braucht auf jeden Fall ordentlich Sitzfleisch, denn die kürzeste Oper von den vieren, dauert 2 ½ Stunden und hat keine Pause, die anderen drei haben Pausen dauern aber dafür… etwas länger. Die längste der vier Opern dauert tatsächlich 4 ½ Stunden. Man muss schon einen großen Enthusiasmus aufbringen, um das durchzustehen. Bloß wenn man die Musik schätzt und das ganze gut gebracht ist, dann lohnt es sich, den ganzen Ring zu erleben. Wohlgemerkt es ist essentiell das Gesamtkunstwerk zu betrachten, nur die Musik ist vor allem laut und lange und nur der Text ist wirklich quälend. Wenn man Zeilen wie „garstig glatter glitschiger Glimmer“ liest ohne die Musik dazu zu hören, wird es schwer das Werk ernst zu nehmen. Aber im Zusammenspiel ist es umso großartiger. Worum geht es jetzt in diesem Epochalwerk? Interpretationen wie Umweltzerstörung, Klassenkampf oder einfach Wagners wirklich schon manisch anmutenden Antisemitismus (der leider echt nicht zu leugnen oder zu übersehen ist) überlass ich klügeren Menschen. Am Ende bin ich ja doch nur Satiriker und kein Literaturwissenschaftler und wie klug die sind, das besprechen wir an anderer Stelle.

Musikalisch zu erwähnen wäre vielleicht noch das Leitmotiv mit dem Wagner so einen „Na kennste?“- Effekt hervorruft, das zieht er akribisch durch, wenn zum Beispiel irgendwo Feuer ist, hören wir die Melodie von Feuergott Loge.

Hier eine kleine eigene Inhaltsangabe.

Es beginnt mit der Oper Rheingold (die bereits im Jahre 1869 uraufgeführt wurde weil König Ludwig II von Bayern als echter Wagnerfanboy nicht mehr 7 Jahre warten wollte). Die Oper beginnt im Rhein, wo 3 Nixen namens Woglinde, Wellgunde und Flosshilde leben und ihren Spaß mit ihrem Wasserspielplatz haben, der unter anderem einen riesigen Goldschatz beinhaltet, der wenn man bereit ist niemals zu lieben, sehr mächtig machen kann… aber die drei haben daran wenig Interesse, die freuen sich einfach nur, dass der Schatz so schön glänzt. Jetzt taucht der Zwerg Alberich aus und da er weder sehr ansehnlich noch sonderlich charmant ist, sind seine Anbratversuche etwas plump (übrigens wieso Zwerge unter Wasser atmen und reden können, wird nie so ganz geklärt). Die Rheintöchter ergehen sich jetzt in Bodyshaming und einer Herangehensweise an das Thema Liebe, die Brittany Spearce später mit „Oops I did it again“ beschrieben hätte. Besonders schlauerweise erzählen ihm die Rheintöchter noch, was es mit dem Gold auf sich hat und er wird zum ersten Incel der germanischen Mythologie und verflucht die Liebe, dann raubt er das Gold und geht.

Szenenwechsel, wir sind in Walhall bei den Göttern. Die kann man sich als so eine Art königliche Familie mit modernem Politikermanieren vorstellen. Alle halten sich für besonders wichtig, alle sind etwas degeneriert. Wotan der Göttervater hat gerade eine Burg bauen lassen um bei seiner Frau Fricka ein bisschen anzugeben und dafür einen kleinen Menschenhandel (Göttinnenhandel?) gemacht, nämlich Freia, die Göttin der Liebe und Jugend soll an die Erbauer 2 Riesen namens Fasolt und Fafner verscherbelt werden, was ein saudummer Deal war, denn die ist diejenige, die dafür sorgt, dass die Götter jung bleiben. Macht nix sagt Wotan, war ein Superdeal und seinen Teil der Vereinbarung gedenkt er ohnehin nicht einzuhalten, weil er ist der Göttervater und die Realität kann ihn sonst wo. Blöderweise sehen das die Riesen etwas anders, sie erinnern ihn daran, dass sein toller Deal gilt und nehmen Freia mal eben mit. Die Götter Froh und Donner machen sich zwar sehr wichtig, können aber nicht wirklich was ausrichten (sind also so die SPD oder SPÖ der Götterfraktion). Der einzige auf den jetzt alle setzen ist der Feuergott Loge, der ein etwas windiger Politikberater ist und durchaus auch mal die gegnerische Fraktion unterstützt, jetzt aber sagt man könnte ja den Ring und den Nibelungenschatz klauen, den Alberich mittlerweile aus dem Rheingold gemacht hat. Wotan und Loge gehen ins Reich der Nibelungen. Dieses ist unterirdisch, dort sind die Nibelungen, wie die Zwerge heißen, die jetzt Alberichs Untertanen sind, der aus dem Rheingold besagten Machtring geschaffen hat, mit dem er zunächst hier absoluter Alleinherrscher ist, aber bald die ganze Welt haben will. Die anderen Nibelungen werden unterdrückt, darunter auch Alberichs Bruder Mime, der einen Tarnhelm geschaffen hat, der unsichtbar machen oder die Gestalt verändern kann. Die Götter bekommen Alberich mit dem ältesten Trick. „Traust dich nie, dich in eine Kröte zu verwandeln.“ – „Oida, sag feig!“ Loge sagt feig, Alberich verwandelt sich in eine Kröte. Und wird gefesselt. Der zurückverwandelte Alberich wird auf die Oberfläche gebracht und jetzt erpresst man eine massive Lösegeldzahlung, die nicht nur den gesamten Schatz, sondern auch Tarnhelm und Ring beinhaltet. Alberich muss das alles hinnehmen, ihm bleibt nur noch dem Ring kleingedrucktes beizufügen, nämlich dass ihn ab jetzt jeder haben wollen soll, aber jeder soll sterben, sobald er ihn hat. Damit verschwindet er und taucht erst 2 Opern später wieder auf. Die Götter kommen, aber auch die Riesen mit Freia und nun muss das Gold hergeben werden. Wotan gibt alles her nur den Ring möchte er dann doch behalten, weil erstens so schlimm kann der Fluch ja nicht sein und zweitens dann haben die Riesen eben Freia, aber der Ring ist bei ihm. Nur dass dann eine gewisse Erda erscheint, die hauptberuflich schläft und Albträume hat, wie schlimm alles wird. Die sagt Wotan jetzt, dass der Fluch schon schlimm ist und er gefälligst seine Schulden zahlen soll. Dann verschwindet sie wieder und taucht ebenfalls erst 2 Opern später wieder auf. Wotan gibt den Ring her. Und es passiert, was passieren muss, die Riesen gehen auf einmal einander an die Gurgel. Fafner erschlägt Fasolt (Ringopfer Nr. 1, außerdem erster Toter des Opernzyklus) und verschwindet. Donner zaubert ein Gewitter herbei und Froh einen Regenbogen, damit die beiden für irgendwas gut sind (wieder drängt sich so ein Andreas Babler oder Lars Klingbeilmoment auf). Die Götter gehen nach Walhall, nur Loge sagt: „Ich bin ja nicht dämlich und schließe mich dieser Versagertruppe an.“ Aus dem Rhein hört man die Rheintöchter jammern, dass ihr schönes Gold weg ist, aber das ist den Göttern höchst egal. Das war das Rheingold. Bilanz: 1 schwerer Diebstahl, ein versuchter Vertragsbruch, Menschenhandel, Freiheitsentzug und Erpresserischer Raub, 1 fahrlässig herumgereichtes gefährliches Material, 1 Toter durch Mord. Und das ist noch die optimistischste der Opern.

Die 2. Oper heißt „Die Walküre“ und es geht unter anderem um eine solche. Auch diese Oper wurde bereits 1870 uraufgeführt, weil Fanboy Ludwig II nicht warten wollte. Hier kommen zum ersten Mal Menschen vor. Es beginnt in einem Haus irgendwo in der Gegend, die von den Römern der Einfachheit halber Germania genannt haben (also vermutlich irgendwo im Harz oder im Teutoburger Wald oder so). Da taucht ein übermüdeter Held auf, der sich vor einem Gewitter und vor Feinden schützt, an die er seine Waffen verloren hat. Die Hausfrau heißt ihn sehr – sehr – liebevoll willkommen, ihr Mann ein Recke namens Hunding ist weniger begeistert, aber das Gastrecht gilt bei den Germanen auch für einen tiefen grummeligen Gast und so darf der Unbekannte, der sich aus Tarngründen zunächst Wehwalt nennt über Nacht bleiben. Der erzählt gleich eine traurige Geschichte, dass seine Mutter erschlagen und seine Zwillingsschwester entführt worden ist und später auch er von seinem Vater getrennt worden sei. Nun hat er irgendeine Jungfrau gegen eine Zwangsehe unterstützt, sich dabei aber die mächtigsten Familien zum Feind gemacht und eine davon ist die Hundings, der ihm sagt am nächsten Tag wird das geklärt. Als der müde Held allein ist erzählt er dann, dass sein Vater in Wirklichkeit ein gewisser Wälse war und der hat ihm für solche Fälle ein Superschwert versprochen, das alles kann. Aber wie das so ist mit viel beschäftigten Vätern, das Schwert ist nirgends. Da taucht die Frau wieder auf, die ihren Mann eingetrankelt hat und ihm nun erzählt, dass bei ihrer Hochzeit ein Mann ein Schwert in den Baum gestoßen hat, dass bisher niemand hatte rausziehen können. Dann kommen die beiden darauf, dass sie die verloren geglaubten Zwillinge Siegmund und Sieglinde sind, was sie aber nicht davon abhält miteinander intim zu werden. Es kommt zum schönsten Inzestliebesduett der Operngeschichte. Siegmund zieht das Schwert aus dem Baum und sie rennen davon, was sie im Wald miteinander tun, kann man sich denken. Denn ab nun ist Sieglinde schwanger.

In Wallhal taucht Wotan wieder auf. Er will Siegmund gewinnen lassen und schickt seine Tochter die Walküre Brünhilde aus um Hunding zu killen und Siegmund zu unterstützen. Brünhilde ist begeistert und hier könnte die Oper rasch auf ein Happy end zu gehen, aber ganz so einfach ist das nicht, weil… ja what the fuck? Wer ist jetzt Brünhilde, seit wann hat Wotan eine Tochter und was ist mit dem Inzest und überhaupt. Für das taucht nun Fricka wieder auf und scheißt ihren Mann ordentlich zusammen. Erstens hat er sich damals als Wälse ausgegeben und sie mit einer Erdenfrau beschissen, dann hat er Siegmund und Sieglinde gezeugt und die sollen jetzt einen Ehebruch und einen Inzest begehen und das wird von Wotan auch noch unterstützt. Wenn das die Zukunft ist, können wir die Götter gleich einrexen, so Frickas Fazit. Wotan sagt die Götter sind sowieso im Arsch, aber bitte mach ma halt nochmal wie sichs gehört. Er erzählt Brünhilde, wie er um mehr über den Ring zu erfahren der Erda nachgestiegen ist, ihr de facto K.O.Tropfen verabreicht hat und sie geschwängert hat (ich meine so wie er das beschreibt qualifiziert sich das als Vergewaltigung), sie hat daraufhin 9 Töchter geboren hat, die Walküren. Die jüngste ist Brünhilde. Dann hat Alberich eine Frau geschwängert (wohlgemerkt der hat dafür gezahlt, weil lieben kann er ja nicht mehr, aber er hat immerhin Gold und nicht Liebestränke verwendet), die ihm einen Sohn geboren hat, der für das Ende sorgen soll (so eine Art germanischer Antichrist). Deswegen hat Wotan dann als Wälse die Wälsungen gezeugt, damit die als freies Geschlecht das Göttererbe antreten können, wenn die nicht mehr können (kommen Sie noch mit, mir wird es an der Stelle immer etwas viel). Das geht nur jetzt nicht, weil der Inzest von den beiden halt doch ein bisschen too much ist. Also soll jetzt Hunding Siegmund töten und gut ist. Als Brünhilde meint „Aber du hast doch grad selber gesagt, du willst Siegmund gewinnen lassen“ bekommt Wotan einen Tobsuchtsanfall und droht wie ein überfordeter Vater, der merkt, dass das mit antiautoritär nicht funktioniert hat und lässt sie zurück.

Siegmund und Sieglinde sind inzwischen auf der Flucht, aber Sieglinde (mittlerweile hochschwanger – wieviel Zeit ist da jetzt eigentlich vergangen oder hatte Wagner vielleicht einfach keine Ahnung wie das mit den Babys funktioniert?) kann nicht mehr und muss sich ausruhen. Da erscheint Brünhilde und prophezeit Siegmunds Tod und dass er nach Walhall kommen wird. Darauf kündigt er an „wenn ich sterben muss, dann kille ich mal eben meine Schwesterfrau und unser ungeborenes, weil entweder alle oder keiner.“ Der angekündigte Femizid wird damit abgetan, dass Brünhilde beschließt „Na gut so wichtig ist Papas Gebot jetzt auch nicht“ und Siegmund den Sieg verkündet. Genau als Sieglinde aufwacht stoßen Hunding und Siegmund aufeinander. Zunächst scheint Siegmund zu gewinnen, weil ihn Brünhilde abschirmt, aber dann greift Wotan persönlich ein, er hält seinen Speer dazwischen, Siegmunds tolles Superschwert zerspringt und Hunding kann ihn durchbohren. (Todesopfer Nr 2 des Opernzyklus) Brünhilde flüchtet mit Sieglinde und Wotan befördert noch mal eben Hunding per Herzinfarkt ins Jenseits (Todesopfer Nr.3). Dann beschließt er Brünhilde eine ordentliche Abreibung zu verpassen, weil so geht’s ja nun wirklich nicht.

Die Walküren Waltraude, Gerhilde, Grimgerde, Rossweisse, Schwertleite, Siegrune, Ortlide und Helmwiege (diese Namen sind alle Wagners Eigenkreation) erscheinen und singen den Walkürenritt und erzählen wie toll sie sind, bis Brünhilde sie um Hilfe bittet. Als sie merken, dass Papa sauer ist, traut sich keine für sie einzustehen. Immerhin bringen sie Sieglinde in den Wald, in dem Fafner wohnt, der sich mittlerweile in einen Drachen verwandelt hat, damit ihn niemand mit seinem Schatz stört. Dort traut sich Wotan nicht hin und dort ist sie sicher. Wotan kommt und will seine Tochter zur Strafe zwangsverheiraten und zwar an irgendeinen Koffer, der zufällig vorbeimarschiert und sich traut eine eben dort Schlafende sexuell zu belästigen (also sie wach zu küssen). Brünhilde macht ihm dann klar, dass das vielleicht für die Lieblingstochter doch ein wenig sehr daneben wäre und er macht ihr darauf hin um ihr Bett ein riesiges Feuer und nur wenn sich jemand traut, da durch zu gehen, wird der in der Lage sein auch Brünhilde wach zu küssen, Brünhilde schläft ein und Wotan singt einen wunderschönen starken Abschied, lässt das Feuer kommen und stellt sich noch mit seinem Speer davor. Das was „Die Walküre“. Bilanz: Inzest und Ehebruch, eine zugebene Vergewaltigung im Stil von „grab them by the pussy“, ein angedrohter Femizid, schwere Vernachlässigung der eigenen Kinder, 2 Totschläge, einmal Beihilfe zum Totschlag und eine gerade noch verhinderte Zwangsverheiratung.

Die 3. Oper Siegfried wurde endlich erst 1876 in Bayreuth in Wagners eigens dafür hergestellten Musiktempel mit dem gesamten Ring aufgeführt. Sie wird also wirklich erst 150. Das spielt nun viel später in Mimes Haus. Der ist jetzt seit er Alberichs Herrschaft entgangen ist, freischaffender Schmied und hat außerdem den kleinen Siegfried als Ziehsohn bei sich aufgenommen. Aber natürlich nur, damit ihm der den Fafner beiseite schafft und den Ring bringt. Jetzt sitzt Mime in seinem Haus und versucht ein Schwert zu schmieden, aber Siegfried wird es ihm ohnehin wieder kaputt machen, der kommt dann mit einem Bären (weil so was macht er eben) und ruiniert das Schwert und ist überhaupt nicht sonderlich nett zu Mime. Wir als Publikum sollen das aber von Anfang an sympathisch finden, weil Mime ist schließlich böse. (Gut es stellt sich dann heraus, der will wirklich nur das Gold und nutzt Siegfried eiskalt aus, aber das wissen wir erst im Laufe der Oper). Mime erzählt Siegfried auf dessen Drängen, dass sein Vater Siegmund erschlagen wurde (siehe Die Walküre) und Sieglinde zu ihm gekommen ist, dort Siegfried geboren hat und dann gestorben ist. (Todesopfer Nr. 4 wenn auch off stage). Mit dabei hatte sie ein kaputtes Schwert und das will Siegfried jetzt geschmiedet bekommen. Dann läuft er davon. Mime kann aber das Schwer nicht schmieden, weil… mystische Gründe halt. Da erscheint der Wanderer. Der ist natürlich niemand anderer als Wotan, der aber mittlerweile etwas heruntergekommen ist und wie das so ist bei Politikern, deren Amtszeit zu Ende geht, weil sie nichts mehr zustande bringen, sucht er jetzt die Nähe des Volkes. Deshalb heißt er ab jetzt auch nur noch der Wanderer. Er spielt mit Mime ein lustiges Quizspiel an dessen Ende der, der eine Frage nicht weiß seinen Kopf verliert. Und Mime scheitert kläglich an der Frage nach dem, der das Schwert schmieden kann. Der Wanderer nimmt aber seinen Kopf nicht, sondern erzählt ihm, dass der, der das Fürchten nicht gelernt hat, das Schwert schmieden kann und der wird sich dann auch Mimes Kopf holen. Damit geht er wieder und Siegfried kommt zurück. Es stellt sich, wie man bereits erahnt hat, dass Siegfried keine Ahnung hat, was das Fürchten ist und so schmiedet er sich das Schwert neu und spaltet damit Mimes Amboss. Mime braut inzwischen K.O.Tropfen, die er Siegfried nachdem dieser Fafner erschlagen haben wird, verabreichen will.

Im Wald trifft der Wanderer auf Alberich, der mäßig begeistert ist den Typen wieder zu treffen, der ihm seinen Ring gestohlen hat und gegen den er bereits eine kleine feine Götterdämmerung vorbereitet. Der Wanderer aber sagt ihm er will gar nix böses, er soll nur versuchen Fafner zu wecken und ihm den Ring abzunehmen, weil dann erspart er sich den ganzen Trubel der noch kommt. Fafner hält aber inzwischen den Besitz von toten Kapital für wesentlich sinnvoller, als wieder anzufangen ins Baugewerbe einzusteigen also sitzt er als Drachen verkleidet auf seinem Schatz und schläft die meiste Zeit. Siegfried und Mime kommen, Siegfried will allein sein und versucht mit einer Holzpfeife eine Vogelstimme zu irritieren, aber der Vogel kommt sich nur etwas verarscht vor (das ist nicht von mir, das ist so in der Oper). Dann spielt Siegfried sein Horn, weckt aber den Drachen Fafner, der raus kommt und Hunger hat. Es kommt zum Kampf und Siegfried erschlägt Fafner. Der verrät ihm im Sterben, wer er ist und dass das mit dem Ring doch nicht so gut ist. Dann stirbt er und ist somit das direkte Todesopfer des Ringes, sowie Todesopfer Nr.6. im gesamten Ring. Siegfried holt sich nur Tarnhelm und Ring, weiß aber nicht wirklich wozu das Zeug gut ist. Weil er aber mit dem Drachenblut in Verbindung kommt, versteht er jetzt auf einmal den Waldvogel, der ihm verrät was der Tarnhelm kann und dass er außerdem auf Mime aufpassen soll. Schon kommt Mime mit den K.O.Tropfen und will sie Siegfried verabreichen, um ihn im Schlaf ins Jenseits zu befördern. Durch das Drachenblut versteht der aber Mimes Intention (das geht übrigens scheinbar nur kurz, denn in der Götterdämmerung plant man einen ganzen Akt lang ihn zu beseitigen, aber keiner verdenkt sich in seiner Gegenwart). Das ist Mimes letzter Blödsinn. Siegfried befördert ihn mit seinem Schwert zum Todesopfer Nr.7., bzw. zum 3. Opfer des Ringes. Dann erzählt ihm der Vogel, dass in der Nähe Brünhilde schläft und geweckt werden will.

Am Ende der Oper steht der Wanderer wieder vor dem brennenden Brünhildenbett. Er weckt Erda, die ihm sagen soll wie es jetzt weiter geht. Die ist aber nicht begeistert, aber so lange sie glaubt irgendwer anderer ist gekommen, erzählt sie, was ohnehin schon jeder weiß, nämlich dass das mit den Göttern so nicht mehr weiter geht. Dann erkennt sie, dass es Wotan ist, der da steht, sagt „Mit dir red ich nix“ und geht wieder schlafen. Siegfried erscheint und sagt er sucht die schöne Frau, die hinterm Feuer schläft. Der Dialog verläuft dann etwa so: „Da darfst nicht rein Burli, da ist ein Feuer.“ – „Mir doch wurscht, gehen S beiseite Sie alter Trottel.“ – „Wie redest du mit mir? Weißt du nicht wer ich bin?“ – „Nö und das ist mir auch wurscht.“ Der Wanderer hält es dann für eine gute Idee, Siegfried zu erzählen, dass er der ist, der schon geholfen hat seinen Vater ins Jenseits zu befördern. Siegfried hält das für eine gute Gelegenheit seinen Vater zu rächen. Er schlägt des Wanderers Speer entzwei, der Wanderer zieht sich geschlagen zurück und das ist der letzte Auftritt, den Wotan im Ring hat. Siegfried findet nun am anderen Ende des Feuers, Brünhilde. Nachdem er noch nie ein Frau gesehen hat, bekommt er nun doch eine kleine Panikattacke. Aber er ist ja doch ein Mann, Klein-Siegfried siegt und er küsst sie wach. Brünhilde will nun mit diesem größten aller Helden all ihre Weisheit teilen und mit ihm gemeinsam eine neue schöne Welt erschaffen, muss aber drauf kommen, dass er zwar gutaussehend (wobei wenn man sich so die durchschnittlichen Tenöre ansieht… na ja) und mutig ist, aber echt nicht der Hellste. Als sie all die Weisheiten der Götter dargelegt hat, sagt er: „Das ist alles sehr schön, ich hab nix verstanden. Wollen wir zwei dann miteinander?“ Brünhilde denkt sich na gut, ein kleiner Siegfried kann auch Freude bereiten und so sinken sie sich in die Arme und während der Vorhang fällt kommen wir drauf, der wird jetzt echt seine Tante knallen, aber Inzest liegt ja in der Familie. Das war Siegfried, Bilanz: Kinderarbeit, Aufhetzung zum Mord, Ruhestörung mit anschließendem Totschlag (oder ist das bei Fafner dann Tierquälerei), Mimes Tod könnte man als Notwehr qualifizieren, allerdings ist das mittlerweile zumindest Notwehrüberschreitung, denn Mimes Plan liegt ja offen dar und ohne die K.O.Tropfen hat er wenig Chance gegen Siegfried, dann schwere Ruhestörung und Retraumatisierung von Erda und ein zünftiger Inzest am Schluss. Mit diesen Aussichten kommen wir nun zum krönenden Abschluss:

Die Götterdämmerung. Wir sind noch immer bei Brünhildes Felsen. Siegfried und Brünhilde schlafen noch (oder tun halt, was Tante und Neffe in so einer Geschichte machen). Da erscheinen die 3 Nornen, die Göttinnen des Schicksals und geben ein Was bisher geschah. Wer also die ersten drei Opern ausgelassen hat, sollte hier gut zuhören, hier wird alles nochmal erklärt. Dann sehen sie voraus, dass Alberich und Loge alles kaputt machen werden und verschwinden. Brünhilde und Siegfried kommen sehr gut aufgelegt aus ihrer Höhle. Sie hatten offenbar eine gute Zeit, aber jetzt muss Siegfried an die Arbeit, also eben Heldentaten begehen. So eilt er davon und Brünhilde bleibt zurück und freut sich auf seine Rückkehr.

Am Rhein lernen wir drei neue Charaktere kennen, den König Gunther und seine Schwester Gutrune, die Kinder Giebichs und Griemhilds und ihren Halbbruder Hagen. Der ist Griemhilds Sohn, sein Vater aber ist Alberich, er ist das von Wotan in der Walküre angekündigte Kind. Hagen meint Gunther und Gutrune sollen endlich heiraten. Am besten soll Gunther; Brünhild und Gutrune, Siegfried heiraten, eine sinnvolle dynastische Verbindung und endlich mal kein Inzest. Da erscheint zufällig Siegfried, der sich sofort mit Gunther anfreundet. Hagen lässt ihm vom Gutrune ein Getränk verabreichen und dort sind – wie sollte es anders sein – Drogen drin. Die führen dazu, dass Siegfrieds Langzeitgedächtnis einen massiven Knacks bekommt. Er bildet sich nämlich ein, direkt nach Fafners und Mimes Tod hierher gekommen zu sein, Brünhilde hat er vergessen. Statt dessen verliebt er sich in Gutrune und will sie sofort…. heiraten. Gunther sagt „gut, aber dann hilfts du mir Brünhilde zu bekommen.“ Siegfried meint: „Keine Ahnung wer das ist, aber von mir aus.“ Sie werden Blutsbrüder und fahren los um Brünhilde zu freien.

Brünhilde sitzt daheim und wartet auf Siegfried. Den Ring hat er ihr gelassen. Da erscheint Waltraute, eine von den Walküren. Sie erzählt dass Wotan mittlerweile einen Scheiterhaufen um Wallhal gebaut hat, alle Götter sitzen nur noch in Wallhal und warten aufs Ende. Wenn aber der Ring zu den Rheintöchtern zurück kehrt, dann wäre der ganze Fluch vorbei. Brünhilde sagt, der Ring ist von meinem Siegfried und erinnert mich daran, wie gut der im Bett ist, den geb ich sicher nicht her. Waltraute stürzt wehklagend davon (das tun Frauen bei Wagner gern mal). Da erscheint Siegfried, was schön wäre, nur hat er einen Tarnhelm auf und sieht aus wie Gunther (da Siegfried meist ein kleiner dicker Tenor ist und Gunther oft ein großer schlanker Bariton, ist diese Verwechslung oft mehr als unglaubwürdig). Brünhilde will sich wehren, aber der vermeintliche Gunther besiegt sie und entreißt ihr den Ring. Komischerweise glaubt Siegfried ab da wieder den Ring nie hergegeben zu haben, ein Plot-hole, das nie so ganz geklärt wird.

Hagen schläft inzwischen vor Gunthers Schloss. Da erscheint Alberich und erinnert ihn, dass er nicht vergessen soll, wofür er da ist, nämlich damit Siegfried stirbt und der Ring wieder Alberich gehört. Hagen sagt so was wie: „Ja chill deine Basis Alter, ich mach ja.“ Schon kommt Siegfried und erzählt, dass alles gut ging und Brünhilde und Gunther bald kommen. Und wirklich erscheinen nun Gunther und Brünhilde, die im Totalschock ist. Gunthers Mannen und deren Frauen begrüßen den König und seine neue Königin. Auch Siegfried und Gutrune eilen ihnen entgegen. Es soll eine Doppelhochzeit geben, aber als Brünhilde Siegfried sieht, bekommt sie einen verständlichen Tobsuchtsanfall. Als sie den Ring sieht, erkennt sie dass Siegfried sie erobert hat, sie klagt Siegfried des Verrats an, der aber leugnet sie zu kennen und meint den Ring hat er von Fafner. Beide schwören die Wahrheit zu sagen, dann gehen Siegfried und Gutrune mit dem Volk weg um das Fest vorzubereiten. Brünhilde und Hagen reden nun Gunther erfolgreich ein, dass Siegfried ihn betrogen hat und sie beschließen Siegfrieds Tod. Zwar hat ihn Brünhilde seinerzeit unverwundbar gemacht, aber hinten gibt es keinen Schutz.

Am nächsten Tag ist Jagd. Siegfried verläuft sich und findet die 3 Rheintöchter. Ja die gibt’s auch noch. Die sagen ihm jetzt „Geh sei lieb, gib uns den Ring gibst.“ Er überlegt tatsächlich, ob der Ring ihm nicht völlig wurscht sein kann, aber da warnen sie ihn, dass er stirbt, wenn nicht, worauf er sagt „Angst hab ich keine vor euch:“ Dann trifft er wieder auf die Jagdgesellschaft. Er gibt uns erneut ein was bisher geschah und erzählt basically die Handlung von „Siegfried“. Als er zum Teil mit Brünhilde kommt, gibt ihm Hagen einen Erinnerungstrank, so erzählt er jetzt auch im Detail seine Begegnung mit Brünhilde und merkt selbts „Ui da hat’s aber was.“ Er schaut dann ein paar Raben nach und Hagen sticht ihm den Speer in den Rücken. Siegfried grüßt sterbend Brünhilde. Dann wird er zu den Klängen des Trauermarsches davongetragen. Er ist nun das 4. Opfer des Ringes und Todesopfer Nr.8 des Opernzyklus.

Gutrune ahnt bereits böses. Als ihr eingeredet wird Siegfried hätte ein Eber gekillt, glaubt sie es nicht und beschuldigt Gunther. Der wieder sagt „Nein, Hagen war’s.“ Dann will er den Ring für Gutrune haben, aber Hagen sagt „der gehört mir.“ Sie streiten und Hagen tötet nun auch noch Gunther (Ringopfer Nr. 5 und Todesopfer Nr.9). Brünhilde kommt, nimmt den Ring an sich, entzündet ein riesiges Feuer auf dem sie Siegfried verbrennt und bei der Gelegenheit gleich den Götterhimmel mit. Sie will nun ewig mit Siegfried vereint sein und springt ins Feuer. Damit ist sie Ringopfer Nr.6. und Todesopfer Nr.10. Alles brennt, der Rhein tritt über das Ufer und die Rheintöchter um sich den Ring zu holen. Das will nun Hagen doch verhindern. Aber die Rheintöchter schnappen ihn und ertränken ihn. (somit ist er Ringopfer Nr.7 und Todesopfer Nr. 11). Dann nehmen sie den Ring und verschwinden. Die Flammen fackeln Walhall ab und das war es dann auch mit den Göttern. Und dann? Ja dann ist diese Welt weg und es kann möglicherweise eine bessere kommen. Aber der Zuschauer ist dann so matt, dass er sich darüber echt keine Gedanken mehr machen kann. Bilanz: Mehrfacher Drogenkonsum, mindestens vier Tote, Bigamie, Raubmord, schwere Brandstiftung, völliges Chaos, aber einige der größten musikalischen Momente der Operngeschichte. Wenn einen diese 10 Seiten nicht abgeschreckt haben, rate ich direkt sich dieses Werk gleich mal anzuhören.