1926 – 100 Jahre später




Ja das ist doch schon etwas länger her. 1926 gab es von mir noch keine Spur, auch meine Eltern waren noch nicht einmal schmutzige Gedanken und von meinen Großeltern lebte gerade mal eine Oma bereits, die damals das zarte Alter von einem Jahr aufwies und sich für das Weltgeschehen, noch nicht so wirklich interessierte. (Das hat sich nicht so wesentlich geändert bei ihr, außer beim ZIB 2 schauen und beim Kronen Zeitung lesen war Großmutter am Weltgeschehen mäßig interessiert – dafür blieb sie aber ein sehr herzlicher freundlicher Mensch, ist vielleicht manchmal besser man lässt den politischen Scheiß, politischen Scheiß sein).

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Was also ist vor hundert Jahren geschehen? Da ist zunächst einmal ein politisch sehr brisantes Buch erschienen, dass aufgrund seines politischen Sprengstoffes in China verboten werden musste, es handelt sich dabei um „Winnie the Pooh“. Der politische Sprengstoff dürfte damals schon spürbar gewesen sein, denn es kam gleich in Portugal und in Polen zu massiven Umstürzen. In Polen putschte sich der General Pilsdudski an die Macht. Angefangen hatte der übrigens als Sozialist, aber es ist ja nun seit Mussolini nichts neues mehr dass man von Links nach Rechts ohne Probleme switchen kann. In Portugal endete ebenfalls eine demokratische Republik zugunsten eines autoritär-faschistischen Regime, welches sich später geschickt durch den 2. Weltkrieg lavierte und deshalb bis in die 70er Jahre an der Macht blieb. Apropos Faschismus, der hat in Italien zu diesem Zeitpunkt schon etwa vier Jahre das Ruder in der Hand gehabt. 1926 wurde dann Antonio Gramsci verhaftet und eingekerkert, einer jener Kommunisten, warum ich diese Idee noch nicht völlig begraben habe. Gramsci hatte nämlich die glorreiche Idee, dass es vielleicht sinnvoller ist, auf die Leute zuzugehen und in dem man ihre Sorgen, Freuden und Lebensart ernst nimmt, die Revolution voran zu bringen, statt sie ihnen auf zu drücken. Leider hat das die Linke bis heute nicht ganz begriffen. Den Gramsci verstanden haben dafür die Rechten, also die Nachfahren jener Männer, die ihn damals im Gefängnis verrecken haben lassen. Dass Linke die Intelligenteren sind kann man damit glaub ich auch als Gerücht abtun. Übrigens wurde vor 100 Jahren auch zwei Mal versucht eben jenen Mussolini zu beseitigen, zum einen von Violet Gibson, beim zweiten Mal von Anteo Zamboni. Beide versuchten den Diktator zu erschießen, was aber nur mässig erfolgreich war, beide Male überlebte er, was Gibson in die Anstalt brachte und Zamboni das Leben kostete. Er wurde von Faschisten gelyncht.

In Deutschland dagegen war die Demokratie noch intakt, es sah sogar danach aus, als würde sie sich stabilisieren. SPD und KPD arbeiteten ausnahmsweise mal zusammen und versuchten die Fürsten zu enteignen, deren Besitz ja eigentlich doch nur auf jahrhundertelanges Auspressen der Bevölkerung beruhte, aber sie scheiterten an den bürgerlichen Parteien. Außerdem wurde Deutschland (das damals noch Deutsches Reich hieß, was manch einem heute sehr abgeht) Teil des Völkerbundes, der sich als noch ineffektiver als die heutige UNO erweisen sollte (liegt vielleicht daran, dass es damals noch kein Israel gab und sich der Völkerbund damit nicht auf einen Sündenbock einigen konnte). Die NSDAP war auch noch eine kleine Splittergruppe, in der heftig gestritten wurde, vor 100 Jahren hat dann Hitler unmissverständlich klar gemacht, dass er in der Partei als einziger das Sagen hat. Sein größter Gegner war damals ein gewisser Joseph Goebbels. Als sich die beiden begegneten schwenkte Goebbels von Gegeifer auf hündische Verehrung um. Außerdem wurde 1926 die Hitlerjugend gegründet. Von der Macht waren sie noch 7 Jahre entfernt, aber der Weg dorthin hat vermutlich hier begonnen. Auch in Österreich gab es schon eine NSDAP, die sich vor 100 Jahren in eine unabhängig-österreichische und eine komplett Hitlergesteuerte Partei spaltete. Man darf drei mal raten, welche sich am Ende durchgesetzt hat.

Aber auch eine andere Partei war mit ihrem Program beschäftigt. Die Sozialdemokraten begaben sich nach Linz und beschlossen dort, sich daran zu erinnern, dass sie einst eine revolutionäre Arbeiterpartei gewesen waren. So bekannte man sich zum Marxismus und zur Revolution aber auch zur Demokratie. Dieses Programm, das eigentlich dazu dienen sollte die Radikalen zu besänftigen und führte letztlich dazu, dass der Linke Flügel der Partei sich weiterhin unzufrieden fühlte, während die Bürgerlichen die bolschewistische Revolution befürchteten. Apropos Bolschewiki, die waren ja in Russland bereits seit 9 Jahren an der Macht. Lenin war seit 2 Jahren zwar frisch gehalten durch Einbalsamierung, aber dennoch nicht mehr ganz lebendig und in seiner Partei der Allrussischen Kommunistischen Partei wurde gerade heftig gestritten, denn ein Teil wollte den ukrainischen Intellektuellen Leo Trotzki als Nachfolger, die anderen den georgischen Schuster Josef Stalin. Und wie das so ist bei linken Intellektuellen, sie haben tolle Ideen kommen aber bei der Masse nicht an. Und viele Führungsmitglieder dachten wohl auch, wenn wir uns einen georgischen Schuster holen, was soll der schon groß anrichten in der Partei? So wurde Trotzki vor 100 Jahren aus dem Zentralkomitee der Partei geworfen und ein Jahr später aus der Partei. 10 Jahre später dachten einige Genossen als sie in die Mündungen der NKWD-Offiziere schauten: „Vielleicht hätt ma doch den Ukrainer nehmen sollen.“ Das war aber 1926 wohl noch nicht vorhersehbar.

Dafür wurde im Iran Reza Khan zum Schah gekrönt, was sich später als furchtbar herausstellte, weshalb er 1942 zu Gunsten seines Sohnes gestürzt wurde, der sich bewehrte bis er noch furchtbarer wurde und 1979 durch eine Revolution gestürzt wurde. Und was da an die Macht kam führte dazu, dass sich viele Perser heute beide Rezas in Personalunion zurückwünschen, denn degenerierte Prinzen sind immer noch Gold gegen wahnsinnig gewordene Religionsfanatiker, die keinen Alkohol trinken aber 9jährige heiraten.

Was war noch los? Eine große Surrealistenausstellung und die Uraufführung von Turandot, der letzten Oper von Giacomo Puccini fanden statt. Letzteres ohne Komponist, da selbiger schon seit einem Jahr nicht mehr lebte. Und die Zirkusprinzessin wurde ebenfalls 1926 uraufgeführt, das heißt der Hit des Jahres war dann vermutlich „2 Märchenaugen.“

BAHNHÖFE

Wir beschäftigen uns wieder mal mit einem Lieblingsthema von mir der Eisenbahn, diesmal mit Bahnhöfen

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Weil die Woche (genau genommen am 29.9.) der Südbahnhof seinen 70. Geburtstag gehabt hätte – und ich muss leider sagen gehabt hätte, da er im Alter von 53 abgerissen wurde – ist es Zeit sich einmal mit Bahnhöfen zu beschäftigen.

Ja, ich weiß, welch literarisch wertvolles Thema, aber ich bin ja bekanntermaßen in letzter Zeit öfters in Deutschland unterwegs und wenn man mit der Deutschen Bahn fährt, dann steht man zwangsläufig häufiger auf Bahnhöfen herum. Und da macht man sich so seine Gedanken. Ich finde Bahnhöfe – also so wirkliche Bahnhöfe, nicht diese Zustände in Dörfern wo 2 läppische Bahnsteige sich als Bahnhof verkaufen – faszinierend. Allerdings haben die an Ästhetik eingebüßt. Berlin zum Beispiel hat mit dem Zoo oder dem Alexanderplatz durchaus 2 Prachtstücke. Leider hat irgendwer beschlossen, dass sich im Zuge der Wiedervereinigung auch die Bahnhöfe wiedervereinigen müssen. War früher der Zoo, der Bahnhof Westberlins und der Alex, der Bahnhof Ostberlins, so wurden diese nun zu Nebenbahnhöfen degradiert und ein Hauptbahnhof geschaffen. Das ist ein typisches Beispiel deutschen Größenwahns, ein riesiger hässlicher Koloss, im Prinzip ein Einkaufszentrum mit Zuganbindung. Das ist auch generell so eine Unsitte der letzten Zeit, überall stehen diese Shoppingcenterbunker herum, bei denen zufällig ein paar Züge wegfahren und die eigentliche Ästhetik der Bahnhöfe geht dabei den Bach herunter, es sieht eben genau so aus, wie eben so ein Shoppingbunker aussieht. Es gibt aber noch ein paar Ausnahmen. Leipzig zum Beispiel. Ja auch dort wurde mittlerweile ein Einkaufszentrum hineingebaut (und um ehrlich zu sein kommt mir das entgegen, ich hab es nämlich nicht weit dorthin, sodass ich dort jederzeit hingehen kann), aber der Bau selber ist ein ästhetisches Prachtstück. Prag finde ich wunderschön, den kann man nicht verschandeln und obwohl er für eine Hauptstadt klein wirkt, auch der Hauptbahnhof von Bratislava ist durchaus ansehlich. Es scheint überhaupt so zu sein, dass der Osten pfleglicher mit seinen Bahnhöfen umgeht. Denn auch in Budapest gibt es noch einige Schmuckstücke, aber auch Bahnhöfe wie Brno sind durchaus ansehlich. Bei uns dagegen? Ich mag irgendwie den Prater und auch der Westbahnhof hat teilweise seinen alten Charme behalten. Doch dass man den Südbahnhof entfernt hat finde ich persönlich schon eine Schande. Das war ein wunderbares Schaustück und für seine Verhältnisse damals groß und praktikabel. Immerhin fuhren hier die Bahnen nach Nordosten, nach Osten und nach Süden weg. Und im Keller war Raum für die S-Bahnen im Nah- und Stadtverkehr. Und trotzdem war er übersichtlich und nicht so ein Monster wie der Berliner Hauptbahnhof. Na ja und dann musste er dem Wiener Hauptbahnhof weichen, diesem Berliner Hauptbahnhof für wirklich Arme… wie ich das Ding hasse. Ich meine man kennt sich aus, weil so groß ist Wien eben nicht und daher auch sein Bahnhof, aber hässlich ist er doch… Am Ende ist ein Bahnhof aber halt auch nur für den Nutzen da und wie soll ich sagen, wenn die Züge halbwegs pünktlich kommen, ist man doch schon glücklich und das ist ja in Deutschland und immer öfter auch in Österreich… lassen wir das.

1986 – 30 JAHRE SPÄTER




986 ein äußerst interessantes Jahr… nicht nur weil ich da stolze eins geworden bin. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich daran überhaupt nicht mehr erinnern. Obwohl die Feierlichkeiten zu meinem 1. Geburtstag sicher überwältigend waren. In Moskau soll sogar eine Militärparade stattgefunden haben, aber es ist durchaus möglich, dass das gar nichts mit mir zu tun hatte, sondern mit den Errungenschaften der glorreichen Oktoberrevolution, die immerhin 69 Jahre alt geworden war oder der noch glorreicheren Roten Armee, die drauf und dran war den Kapitalismus endgültig in die Schranken zu weisen, wenn sie nicht kurz vor ihrem endgültigen Sieg, die Sowjetunion in die Pleite gerüstet hätte…

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Auf der Welt gab es 2 Männer, die den Ton angaben, ein gewisser Herr Reagan in Washington und ein gewisser Herr Gorbatschow in Moskau. Reagan war ein ehemaliger Liberaler und Schauspieler, der sich dann zum Hardcore-Konservativen entwickelt hatte und der der Meinung war, den Sieg über den Kommunismus bekommen wir nur, wenn wir aufrüsten, wie die Bösen und die Reichen auf Kosten der Armen entlasten… Gut man muss sagen außenpolitisch war er tatsächlich erfolgreich, denn 5 Jahre später brach die Sowjetunion zusammen. Und alles was dort ein wenig besser gewesen war wie im Westen, also ein flächendeckendes Gesundheitssystem, eine bemerkenswerte Gleichstellung der Frau zum Mann, soziale Fürsorge wurde entsorgt und alles was tatsächlich übel an diesem System war, also Leute einsperren oder ermorden, die eine andere Meinung haben, ein Präsident, der nicht abgewählt werden kann, Aufrüstung und Kriegszustand wurden irgendwie nie so richtig beseitigt und feiern mittlerweile fröhliche Urständ… irgendwas rennt immer falsch. Dennoch kann man Reagan einen gewissen außenpolitischen Erfolg nicht absprechen, innenpolitisch dagegen… tja also spätestens mit der Wirtschaftskrise 2008 wurde klar, so richtig toll ist dieser laissez faire Kapitalismus auch nicht und mittlerweile sorgt ein gewisser Herr Trump dafür, dass man denkt „also der Reagan… gar nicht übel der alte Kerl.“ Bitte um ehrlich zu sein, war mir das 1986 noch ziemlich Blunzn. Auch dass die These „Atomkraft im Kapitalismus pfui, im Sozialismus megageil“ einen empfindlichen Riss erfuhr, als im April den Russen das AKW Tschernobyl um die Ohren flog, besorgte meine Eltern deutlich mehr als mich. Vermutlich fanden einige Spaziergänge im Kinderwagerl nicht statt, sondern stattdessen saßen wir zu Hause und warteten auf bessere Zeiten. Denn meine Eltern waren immer sehr verantwortungsbewusst und dass meine Haare sehr früh zum ausfallen angefangen haben, hat wohl auch wenig mit diesem Jahr zu tun, zumal das auch eine gute Tradition bei den Männern der Familie Turecek ist… Da kann das Jahr 1986 wirklich nix dafür, aber es hat doch das Land Österreich etwas aufgemischt. Die Kirche bekam neues Personal, da gab es die beiden Bischöfe Krenn und Groer, beide besondere Sympathieträger, der eine war so konservativ, dass vermutlich sogar Petrus und Paulus unter ihm exkommuniziert worden wären, weil sie nicht christlich genug waren (oder was er halt dafür hielt), der andere hat den Satz des Herren „Lasset die Kinderlein zu mir kommen“ etwas zu wörtlich genommen. Und dann gab es eine Bundespräsidentenwahl… nun hat es in Österreich eine Tradition gegeben seit 1945, nämlich der Bundespräsident kann sein wer er will, Hauptsache er kommt von der SPÖ. Das wollte wieder die ÖVP ändern, also stellte sie den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim auf. Und da konnte die SPÖ mit dem Arzt Kurt Steyrer nicht mithalten. Zwei weitere Kandidaturen gab es übrigens auch noch, was aber egal war denn zu dieser Zeit war eine Kandidatur jenseits von ÖVP und SPÖ noch irrelevant: Die verschiedenen Grünfraktionen hatten sich auf eine gemeinsame Kandidatin geeinigt, eine gewisse Freda Meissner-Blau, aber die Grünen hielt man da noch für ein vorübergehendes Phänomen. Und die FPÖ, die ja gerade total wirklich in echt liberal war stellte mit Otto Scrinzi einen Hardcore-Nazi auf, der wenig Hehl daraus machte, dass er ein solcher war. Der wurde aber später durch Waldheim überstrahlt. In die Stichwahl kamen Steyrer und Waldheim (welch Wunder) und dabei mussten die Sozis feststellen, dass Waldheim führte. Und so kamen sie auf die Idee darauf hinzuweisen, dass Waldheim in der Vergangenheit mit den Nazis gar nicht mal so schlecht ausgekommen war. Und in einem Land, dass prinzipiell zwischen „was geht uns das an? Wir waren ein Opfer“ und „ja aber die Autobahn hat er auch gebaut“ schwankte führte die Enthüllung, dass Waldheim ein ehemaliger Nazi gewesen war, dazu, dass dieser haushoch die Wahl gewann und Bundespräsident wurde. Und Waldheim selbst hat die Verantwortung, die das Amt mit sich brachte auch wirklich voll ernst genommen. Irgendeine Form von Reue oder Verständnis dafür, dass die eigene Nazivergangenheit ehemaligen Opfern und Nazigegnern sauer aufstieß zeigte er nicht, statt dessen spielte er sich als Opfer auf, der nur „seine Pflicht erfüllt“ habe und suchte Schuldige. Das waren – wie sollte es anders sein – die Juden. Österreich war daraufhin mal für die nächsten sechs Jahre das Arschloch unter den Nationen. Der Bundeskanzler Fred Sinowatz, eine Gestalt der sich redlich bemühte (und vorher ein durchaus solider Unterrichtsminister gewesen war) und dem man nun vorwarf, dass er die SPÖ ruinieren würde, weil er nicht Bruno Kreisky war und außerdem die Partei unter ihm auf unter 50% gefallen war (bei 47% würden die heute glaub ich den Parteichef heilig sprechen) trat zurück. Er hatte sich verzweifelt bemüht, Waldheim zu verhindern. Zurück blieben seine unvergesslichen Bonmots „Es ist alles sehr kompliziert“ oder „Wir nehmen zur Kenntnis, dass Herr Waldheim nicht bei der SA war, dass nur sein Pferd bei der SA gewesen ist.“ Es folgte Franz Vranitzky, ein Banker, der den Sozialismus in die Welt der Finanzen holte oder umgekehrt… Im Nachhinein war Vranitzky vermutlich einer der besten Bundeskanzler, die Österreich hatte, aber damals war das doch ein Schock. Der Nadelstreifsozi hielt Einzug. Dafür einigten sich die Grünen auf ein gemeinsames Auf- und Antreten und wer hätte es gedacht, sie haben bis heute überlebt, hätte ihnen ja auch niemand zugetraut. Noch eine Partei galt damals als tot, die FPÖ. Und das stimmte sogar bis zu einem gewissen Grad… die liberale FPÖ starb damals, allerdings die hat sowieso nur in der Imagination von Norbert Steger existiert. Nur dass damals die ganze Partei vor sich hinkrepierte, bis dann ein junger Strahlemann auftauchte, ein echter Kärntner aus Oberösterreich, ein echter Österreicher, der Österreich für eine Missgeburt hielt. Er hieß Jörg Haider und er machte die FPÖ wieder groß und stark, so groß, dass sie heute endgültig an der Spitze gelandet ist. Damals reichte es für Platz 3 und für eine deutliche Steigerung, während die Großparteien SPÖ und ÖVP zum stürzen begannen. Das hat also 1986 seinen Anfang genommen, auch die anderen europäischen Staaten haben das damals noch angewidert zur Kenntnis genommen, mittlerweile haben fast alle solche Parteien teilweise an der Spitze. Man kann also sagen es war nicht alles gut in den 80ern. Musikalisch bewegte sich das Jahr 1986 zwischen Jeanny von Falco und Ohne dich von Münchner Freiheit. Es bahnten sich also auch hier schon Dinge an, die einem ein verzweifeltes „Um Gottes Willen“ entlocken, aber auch durchaus gewagtes und starkes. Alles in allem ein Jahr an das ich mich wahrlich nicht erinnern kann…. ich war einfach zu jung.

DER WARME HERBST

Der warme Herbst, wie wir ihn jetzt erleben

Ist wie ein Leben dass es nicht mehr gibt

Ist wie die Liebe, die es einst gegeben

Und die verbleibt, obwohl kein Mensch mehr liebt.

Ein warmer Herbst ist wie ein toter Sommer

Ist wie die Blume, die obwohl verblüht

Noch immer da steht und kein Frommer

Und kein Sünder ist da, der sie für das noch liebt.

Ein warmer Herbst sollt Früchte bringen

Und Korn und guten jungen Wein

Und Regen sollte auf die Straßen springen

Und mit der Kühle sollt man glücklich sein.

Manch Mensch steht da so ganz alleine

Er hat doch auch gestrahlt wie Sonnenschein

Noch glänzt er, als der einzig wahre eine

Und spürt: So sollt’s längst nicht mehr sein.

INNSBRUCKER SONDERPARTEITAG




Am 12.September war es exakt 40 Jahre her, dass in der wunderschönen äh… na sagen wir Stadt Innsbruck ein Parteitag statt fand, ein Parteitag einer überalteten Zwergerlpartei von Ewiggestrigen, deren Parteichef Norbert Steger aus irgendeinem Grund glaubte, es sei eine liberale Partei. Diese Partei war gerade Teil einer Regierung mit der SPÖ (damals noch eine Massenpartei, deren größtes Problem war, dass sie nicht mehr über 50% der Stimmen bekam) und dabei so erfolgreich, dass die Zwergerlpartei drauf und dran war, sich endgültig ins politische Jenseits zu befördern. Diese Partei hieß FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) und zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre alt. Sie war 1956 von handfesten Nazis gegründet worden, damit die ehemaligen NSDAP-Mitglieder nicht traurig sind, dass sie nicht mehr die halbe Welt mit ihrer wunderbaren Ideologie beglücken konnten. Da vegitierte sie 30 Jahre als Altnazipartei dahin bis eben Steger glaubte, eigentlich sei das eine liberale Partei. Und dann kam der 12.September 1986.

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Da tauchte dann ein junger fescher Kerl auf, der auch aus einer Nazifamilie stammte, aber doch etwas klüger war, als nur zu jammern damals war alles besser. Und dieser fesche Kerl, des Namens Jörg Haider, brachte sich jetzt als jung-dynamischer Politiker in Stellung, stürzte Steger, sprengte die Regierung und wurde zum Begründer des modernen Rechtspopulismus. Damals dachte noch jeder: „Na ja die Ösis, ein kleines zurückgebliebenes Bergvolk, die brauchen halt ihre völkischen Helden von anno dazumal.“ Was sich niemand gedacht hätte, dass wir uns mittlerweile weltweit mit dergleichen Gestalten herumschlagen dürfen… mit gutem Geld aus Moskau und denselben stumpfen Parolen. Und dann muss man ja sagen, der Haider hat ja eine gewisse rhetorische Brillanz besessen und war alles in allem nicht unsympathisch. Dass dem viele Leute glauben wollten, kann man irgendwie nachvollziehen. Mittlerweile reichen aber in dieser Partei Gestalten wie Heinz Christian Strache, dessen Intelligenz die Zähne nicht übersteigen, an denen er herumgebastelt hat, oder Herbert Kickl, bei dem man schon sehr harte Drogen nehmen muss, damit einem in Zusammenhang mit dem, das Wort sympathisch einfällt.

Steger hat den Schock übrigens nie ganz verwunden, er leidet unter einer Art Stockholm-Syndrom und glaubt heute noch die FPÖ sei eine liberale Partei. Haider dagegen führte die Partei zu Ruhm und Glanz. ie FPÖ wurde wieder national, nur dass Haider es auch schaffte sie erfolgreich zu machen, indem er sich als jugendlicher Rebell gebärdete, der den Arbeitern bessere Löhne versprach, den Unternehmern ihre Ruhe von einem überblähten Sozialstaat, allen das Ende der Zwangsmitgliedschaft in allen Kammern und überhaupt der Meinung war, die Ausländer seien an allem schuld. Mit diesen Parolen wurde Haider, Landeshauptmann von Kärnten und die FPÖ im Jahre 1999 mit 26,05% und 52 Mandaten zweitstärkste Kraft, womit sie dann auch 2000 in die erste schwarzblaue Regierung eintrat. Dort bewies sie ihre absolute Regierungsunfähigkeit, indem sich die blauen Minister bereicherten wo es nur ging. Korruption und unsoziale Gesetze waren die glänzende Errungenschaft dieser Regierung. Danach verlor die FPÖ einige Wahlen und zerstritt sich innerlich derart heftig, dass sie sich 2005 in FPÖ und BZÖ spaltete. Das BZÖ und Haider blieben in der Regierung und die FPÖ ging unter Heinz Christian Strache wieder in die Opposition. Dort spielte sie wieder mal die große Antikorruptionspartei, die auf der Seite der anständigen Österreicher und der Innländer und des kleinen Mannes ist. Und es fanden sich genug, die ihr das glaubten auch noch. Haider hätte möglicherweise auch das BZÖ wieder zu Ruhm und Glanz geführt, kam aber bei einem Unfall ums Leben und das BZÖ ohne Jörg Haider war ein wenig wie ein Pornofilm ohne Sexszenen. Die FPÖ aber schaffte es unter Strache, einem sehr billigen in China hergestellten Haiderimitat nochmal aufzusteigen und wurde später nochmal Regierungspartei… Und – man glaubt es kaum – nach 2 Jahren stellte sich heraus, da sind laute korrupte Menschen drin, die völlig regierungsunfähig sind. Nur dass diesmal Strache selbst beim korrupt sein wollen (wirklich gemacht hat er ja nix, weil… scheinbar kann er nicht mal das) erwischt wurde. Wieder wurde die Regierung gesprengt, Strache gründete eine neue Partei (ein Muster scheinbar) und die FPÖ verschwand für kurze Zeit von der Bildfläche. Die überragenden Fähigkeiten aller anderen Parteien führte allerdings dazu, dass mittlerweile sogar ein Herbert Kickl als sympathischer und charismatischer Politiker empfunden wird. Nicht nur das, ist die FPÖ erstmals auf Platz 1 in Österreich und rundherum in den anderen Ländern sind ähnliche Gestalten auf dem Weg an die Spitze… Wahrhaft goldene Zeiten kommen auf uns zu. Ich kann Herbert Kickl nur all das wünschen, was er mit Österreich machen will… das gilt sicher wieder als gewaltbereiter Linksextremismus.

Und begonnen hat alles am 12.9.1986.

SCHMÄH&GSANG

Ich bin wieder zu sehen mit eigenen Texten aus meinen Kabarettprogrammen im Rahmen der „Wanderbühne Amadé“ gemeinsam mit Oliver Roitinger und Andreas Wutte.

Wenn Kärnten, Wien und Oberösterreich aufeinandertreffen, wird’s garantiert lustig!

Die Wanderbühne Amadé bringt mit „Schmäh & G’sang“ ein brandneues Format auf’s Stramankerl: ein Abend voller Kabarett und Austropop zum Lachen, Mitsingen und Genießen. Zwischen Lachmuskelkrämpfen und feinem Zynismus erwartet euch waschechter Austro-Charme.

Am 18.9. 2026 um 18:30: Stramankerl, Schlingermarkt (Floridsdorfer Markt)

Eintritt: Frei!

CHILISCHOTEN

Als Kabarettist, der sich durch die Gewässer der Kleinkunstbühnen mit seinem kleinen Boot durchschlägt, ist es immer schön, einen Hafen zu haben. Diese eine Bühne, wo man immer sein kann, wo man immer spielen kann, wo man die Leute und das Publikum kennt, sie ist ein kleiner Raum der Geborgenheit. Solch eine Bühne war das kleinste Kabarett von Berlin, die Heimbühne der Chilischoten. „CHILISCHOTEN“ weiterlesen

Der Nutzen der U-Bahn

U-Bahnen sind starke Waffen gegen 5 der 7 Todsünden. Trägheit geht nicht mangels Sitzplätzen, für Völlerei vergeht einem dort der Appetit, Wollust ist in Anbetracht der Möglichkeiten nicht mal im Ansatz vorhanden, Habgier hast dort nicht, weil du willst dort nix besitzen, das eh nur kaputt gehen kann und Stolz… worauf? Gut Zorn kann da schon mal aufkommen und Neid, denn dort beneide ich jeden der sich in Anbetracht der Lage nicht seiner eigenen völligen Sinnlosigkeit bewusst wird

JUNG BLEIBEN. SO GEHT’S

Vielleicht werde ich wirklich alt… ich hab immer gedacht ich bin mit 41 noch nicht wirklich alt, aber nun merke ich, dass mir gewisse Denkweisen einfach befremdlich erscheinen, zum Beispiel, dass man das was Menschen auf Bühnen singen oder sagen immer wörtlich zu nehmen ist. Sarkasmus und Ironie, neutrale Betrachtung und einfühlsame Wahrnehmung kontroverser Themen sind scheinbar irgendwas was vergreiste alte Männer machen (die selbstverständlich weiß sind).

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