Als Kabarettist, der sich durch die Gewässer der Kleinkunstbühnen mit seinem kleinen Boot durchschlägt, ist es immer schön, einen Hafen zu haben. Diese eine Bühne, wo man immer sein kann, wo man immer spielen kann, wo man die Leute und das Publikum kennt, sie ist ein kleiner Raum der Geborgenheit. Solch eine Bühne war das kleinste Kabarett von Berlin, die Heimbühne der Chilischoten.
Das kleine Theater befand sich in einem etwas verfallenen Einkaufszentrum in Berlin Marzahn. Berlin-Marzahn muss man sich als Wiener in etwa so vorstellen, wie wenn man Floridsdorf (den Bahnhof) mit Simmering (die Hauptstraße) mixt und das dann noch verfallen lässt. In einem Film wo ein Serienmörder sein Unwesen treibt oder die Zombie-Apokalypse über Deutschland herein bricht bietet Marzahn die perfekte Kulisse. Und genau dort stand eine heimelige bunte und kleine Bühne mit einem Team voller Herzblut und einem Publikum voller Liebe. Martin Lalis der Chef der Chiischoten hat mich auf gut Glück dort auftreten lassen und ich hatte beim ersten Mal gleich mal die ungeheure Menge von 3 Zusehern, so dass ich schon Angst hatte, ob ich da überhaupt noch auf die Bühne passe. Aber Martin meinte: „Da spielst du jetzt ein Mal im Monat und mit der Zeit wird das mehr.“ Und was soll ich sagen? Beim nächsten Mal waren es dann schon 5. Aber wir haben nicht aufgeben und als ich das letzte Mal mein Solo dort spielte, war die Bude schon ziemlich voll. Und jedes Mal mit einem angenehmen und interessierten Publikum, die mir auch mein Wiener Maul nicht übel nahmen, sondern sich im Gegenteil an meinem Dialekt und meinen Spitzen über die Deutsche Politik und unsere zivilisatorischen Gegensätze sehr ergötzten. Interessante und witzige Gespräche danach gab es auch jedes Mal und bleibend ist eine neu entstandene Freundschaft auch mit Martin, der mich gleich ins Chilischoten-Ensemble aufgenommen hat, auf dass wir weitere Projekte miteinander starten und Yulia, seiner besseren Hälfte. Nur eben leider nicht mehr dort, denn der Hauseigentümer (ein sympathischer Konzern namens Degewo – schon werden wieder linksradikale Enteignungsfantasien munter) hat scheinbar nicht mehr genug Geld abgestaubt und musste die Miete so erhöhen, dass eine kleine Theaterbühne natürlich nicht überlebt. Jetzt steht ein weiteres Geschäft in diesem eh schon etwas gruslig anmutenden Einkaufszentrum leer. Und eine kleine Bühne voller Leben, ist tot… Na ja tot ist sie zum Glück nicht, denn es gibt ja noch die Chilischoten, allerdings halt jetzt wieder auf hoher See und ich freue mich sie begleiten zu dürfen. Gestern war die Abschiedsveranstaltung, wo ich auch das Vergnügen hatte, die anderen Künstlerinnen und Künstler kennen zu lernen, die dort so gespielt haben und ich muss sagen, jetzt tut es mir leid, dass ich nicht öfter in Berlin sein konnte um mir die alle zu geben. Aber vielleicht rennt man sich ja woanders mal über den Weg. Die Szene ist ja meist doch so klein, dass wir uns alle wieder begegnen. Ansonsten gilt: Ruhe in Frieden kleines Theater! Und auf ein langes und erfolgreiches Leben, Chilischoten!
