BAHNHÖFE

Wir beschäftigen uns wieder mal mit einem Lieblingsthema von mir der Eisenbahn, diesmal mit Bahnhöfen

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Weil die Woche (genau genommen am 29.9.) der Südbahnhof seinen 70. Geburtstag gehabt hätte – und ich muss leider sagen gehabt hätte, da er im Alter von 53 abgerissen wurde – ist es Zeit sich einmal mit Bahnhöfen zu beschäftigen.

Ja, ich weiß, welch literarisch wertvolles Thema, aber ich bin ja bekanntermaßen in letzter Zeit öfters in Deutschland unterwegs und wenn man mit der Deutschen Bahn fährt, dann steht man zwangsläufig häufiger auf Bahnhöfen herum. Und da macht man sich so seine Gedanken. Ich finde Bahnhöfe – also so wirkliche Bahnhöfe, nicht diese Zustände in Dörfern wo 2 läppische Bahnsteige sich als Bahnhof verkaufen – faszinierend. Allerdings haben die an Ästhetik eingebüßt. Berlin zum Beispiel hat mit dem Zoo oder dem Alexanderplatz durchaus 2 Prachtstücke. Leider hat irgendwer beschlossen, dass sich im Zuge der Wiedervereinigung auch die Bahnhöfe wiedervereinigen müssen. War früher der Zoo, der Bahnhof Westberlins und der Alex, der Bahnhof Ostberlins, so wurden diese nun zu Nebenbahnhöfen degradiert und ein Hauptbahnhof geschaffen. Das ist ein typisches Beispiel deutschen Größenwahns, ein riesiger hässlicher Koloss, im Prinzip ein Einkaufszentrum mit Zuganbindung. Das ist auch generell so eine Unsitte der letzten Zeit, überall stehen diese Shoppingcenterbunker herum, bei denen zufällig ein paar Züge wegfahren und die eigentliche Ästhetik der Bahnhöfe geht dabei den Bach herunter, es sieht eben genau so aus, wie eben so ein Shoppingbunker aussieht. Es gibt aber noch ein paar Ausnahmen. Leipzig zum Beispiel. Ja auch dort wurde mittlerweile ein Einkaufszentrum hineingebaut (und um ehrlich zu sein kommt mir das entgegen, ich hab es nämlich nicht weit dorthin, sodass ich dort jederzeit hingehen kann), aber der Bau selber ist ein ästhetisches Prachtstück. Prag finde ich wunderschön, den kann man nicht verschandeln und obwohl er für eine Hauptstadt klein wirkt, auch der Hauptbahnhof von Bratislava ist durchaus ansehlich. Es scheint überhaupt so zu sein, dass der Osten pfleglicher mit seinen Bahnhöfen umgeht. Denn auch in Budapest gibt es noch einige Schmuckstücke, aber auch Bahnhöfe wie Brno sind durchaus ansehlich. Bei uns dagegen? Ich mag irgendwie den Prater und auch der Westbahnhof hat teilweise seinen alten Charme behalten. Doch dass man den Südbahnhof entfernt hat finde ich persönlich schon eine Schande. Das war ein wunderbares Schaustück und für seine Verhältnisse damals groß und praktikabel. Immerhin fuhren hier die Bahnen nach Nordosten, nach Osten und nach Süden weg. Und im Keller war Raum für die S-Bahnen im Nah- und Stadtverkehr. Und trotzdem war er übersichtlich und nicht so ein Monster wie der Berliner Hauptbahnhof. Na ja und dann musste er dem Wiener Hauptbahnhof weichen, diesem Berliner Hauptbahnhof für wirklich Arme… wie ich das Ding hasse. Ich meine man kennt sich aus, weil so groß ist Wien eben nicht und daher auch sein Bahnhof, aber hässlich ist er doch… Am Ende ist ein Bahnhof aber halt auch nur für den Nutzen da und wie soll ich sagen, wenn die Züge halbwegs pünktlich kommen, ist man doch schon glücklich und das ist ja in Deutschland und immer öfter auch in Österreich… lassen wir das.