Österreich ist ein katholisches Land, insofern spielt auch Weihnachten bei uns eine große Rolle und wird von allen gefeiert, auch von denen die nicht ans Christkind glauben. Diese Tradition hat unser Land bereits massiv geprägt und mitgestaltet. Vieles könnte man hier zum Thema Weihnachten schreiben, aber dieser Artikel widmet sich doch speziell der politischen Herangehensweise an dieses Fest, wir nehmen dafür die wichtigsten Parteien aus dem Parlamentarischen und außerparlamentarischen Spektrum und betrachten deren Zugang zu Weihnachten:
ÖVP
Als Partei mit christlicher Tradition legt die ÖVP natürlich sehr viel Wert auf das Feiern dieses Festes. Dazu ist die Geschichte von einem Kleinunternehmer (Tischler mit Werkstatt), der in Zeiten der Krise sich selbst heroisch das Essen vom Mund weg spart und freiwillig in einem Stall eine Herberge sucht, obwohl seine Frau hochschwanger ist und daher durchaus auf einen Mutterschutz Anspruch hätte. Aber da sie keine Sozialschmarotzer sind, die über ihre Verhältnisse leben verzichten sie auf diese Sozialstaatromantik. Zudem arbeitet der Mann, während die Frau ein Kind bekommt, also klassisches Familienbild und die Frau muss dafür nicht einmal Sex haben. Das Kind ist ein weiser Knabe, der aus einer Gruppe von Wilden mit fragwürdiger Vergangenheit seine Aposteln macht und ihnen hilft, ihre Unmenschlichkeiten los zu werden, in dem er huldvoll darüber hinweg sieht und nichts dazu sagt. Weiters redet er einer hungernden Bevölkerung ein, dass 5000 Menschen locker mit 5 Broten und 2 Fischen auskommen. Und er zeigt dass auch blind, lahm oder tot sein keine Ausrede sind, etwas zum Gemeinwohl beizutragen. Dieser Sparkurs macht ihn bei den Massen extrem beliebt, aber die roten Pharisäer neiden ihm seinen Aufstieg, da in diesem Land niemand beliebt sein darf, der nicht links ist und so wird er unter bösartigen Anschuldigungen einer Handyaffäre gekreuzigt. Aber er steht wieder auf und bleibt die graue Eminenz.
SPÖ
Weihnachten ist die Zeit in der sich die Sozialdemokratie ihrer ursprünglichen Werte besinnt, also die kleinen Leute zu unterstützen. Auch wenn man wegen des Koalitionspartners im Bund, die Bedingungen für Hirten, die am Feld übernachten müssen oder für Tischler, die unter der Mindestverdienstgrenze bleiben und daher mit Familie im Stall übernachten müssen, nicht verbessern kann und wegen des Koalitionspartners in Wien, denen sogar noch das Essen streichen muss, so drückt man doch wenigstens seine Solidarität aus. Außerdem denkt man nach, ob nicht auch die Reichen ein bisschen Gold, Weihrauch und Myrrhe beitragen können, wenn man sie schon, aus Rücksicht auf betuchtere Wähler, nicht besteuern kann. Schließlich gehört es zur Erkenntnis, dass der Messias mit den großen Ohren ein falscher Gott ist und der wahre Messias ein ehemaliger Lagerarbeiter, der in den Tempel stürmt um die Kapitalisten auszutreiben, dort wütend herumschreit und dann doch lieber zusieht, wie seine eigenen Apostel den Obdachlosen das Essen wegnehmen.
Zudem wird Weihnachten alle Jahre wieder daran erinnert, dass wir nur unvollkommen sind, weil es die ÖVP gibt.
FPÖ
Aus Gründen der europäisch-deutschen Traditionspflege spielt Weihnachten für die Freiheitlichen eine große Rolle, wobei man sich durchaus fragt warum eigentlich? Denn was genau fängt diese Partei mit einem Paar zugereister Juden an, die auch noch obdachlos sind und ein uneheliches Asylantenkind werfen? Dazu kommen diese Hirten, die offensichtlich links-grüne Willkommensklatscher, Van-der-Bellen-Wähler oder Vorarlberger sind, dann die Engel, bei denen es sich ihrer Kleidung nach zu schließen offensichtlich um Gay-Mariage-Aktivisten handelt und dann noch die Heiligen Drei Könige, zwei Araber und ein Schwarzer. Wieder einmal steht die FPÖ vor einem schwierigen Widerspruch, den sie damit erklärt, dass sie von der großen Koalition und den linken Gutmenschen gemobbt wird. Dazu kommt, dass der Erlöser sich mit Vodka-Red Bull dermaßen weggeschossen hat, dass er seine Schöpfung an die Wand gefahren hat und sein eigenes Werk zerstörte. Und jetzt will er halt einfach nicht kapieren, dass das mit der Auferstehung nicht hinhaut. Der neue Messias ist derzeit ein zorniger kleiner Mann, der die Menschen liebt, außer halt Ausländer, Schwule, Linke, Künstler, Journalisten und viele andere. Dafür mag er Pferde und Russland.
GRÜNE
Weihnachten ist kein Fest für die Grünen. Erstens ist der Neugeborene ein Mann, zweitens entspringt er einem heterosexuellen Paar, drittens beten die Menschen mit Migrationshintergrund den weißen Mann an, was dem Multikulti-Gedanken widerspricht und außerdem ist Weihnachten ein christliches Fest und kränkt andere Kulturen. Zudem ist der CO2-Ausstoß durch das Anzünden von Kerzen für den Klimawandel ganz schrecklich und man sollte Bäume pflanzen, statt sie in die Wohnung zu stellen.
Im Moment pflanzen die Grünen allerdings statt Bäumen lieber ihre Wähler.
NEOS
Als liberale Partei stehen die NEOS Weihnachten skeptisch gegenüber, immerhin stehen hier arme Menschen im Mittelpunkt, welche sozialer Unterstützung bedürfen und nicht Leistungsträger. Andererseits der Heiland ist ja auch ein hyperaktiver Selfmademan, der immer ein wenig auf Speed zu sein schien und mit seinem Unternehmen tausende zu begeistern wusste. Und ganz im Sinne der Leistungswilligkeit ließ er sich nicht einmal von einer Kreuzigung abhalten, sondern kehrte nach drei Tagen wieder und machte nun noch entschlossener weiter. Dann aber zieht er sich zurück und lässt stattdessen ein blondes Christkind für ihn arbeiten, das nun die Menschen dazu auffordert sich wieder auf die ursprünglichen Werte des Weihnachtsfestes zu besinnen, also so lange einzukaufen, bis die eigene Tasche leer ist, aber die Wirtschaft saniert.
KPÖ
Für die Kommunisten ist die Geburt Christi per se kein Grund zum Feiern, allerdings wurde hier immerhin der Sohn eines Proletariers geboren, was bis auf ein paar ganz radikale Hackler (Hirten) und drei Intellektuelle aus der Oberschicht (drei Könige), die vorbildlich eine Reichensteuer (Gold, Weihrauch, Myrrhe) abgeben, keinen interessiert. Und genau dieses Gefühl, dass sich keine Sau für einen interessiert, das können die Kommunisten in Österreich dem Jesu Kind nachempfinden. Um ihrer atheistischen Tradition nicht entgegen zu wirken, wird statt Weihnachten, ein Jahresendzeitfest gefeiert und auf den Jahresendzeitbaum kommt eine Jahresendzeitflügelfigur. So schafft auch die KPÖ den Spagat zwischen ihren atheistischen Verpflichtung und den Freuden am Christkind.
